Blog zur Industrie 4.0

IRIES bringt Techniker und Experten zusammen – so etwa an den IFAM Auslagerungsgestellen in Sylt.

IRIES – Experte in der Hosentasche

Ob bei der Prüfung der Klebung eines Flugzeugrumpfteils in Süddeutschland oder bei der Analyse einer Windkraftanlage in Norddeutschland – Wartungs- und Prüfprozesse in der Industrie erfordern oft eine zusätzliche Expertenmeinung. Der Fachmann, der einem den nötigen Input für den nächsten Schritt geben kann, sitzt jedoch oft viele Kilometer entfernt. Um diese Hürden für den industriellen Prozess abzubauen, kooperiert das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM mit dem Start-up bitnamic und arbeitet an der Weiterentwicklung einer Lösung, die Experten und Ausführende – virtuell – zusammenbringen soll. IRIES heißt die Technologie, die die Augmented Reality demnächst in die Werkhalle bringen soll.

Wenn der Korrosionsexperte Oliver Kranz am Fraunhofer IFAM seinem Techniker-Kollegen am Außenstandort Helgoland bei der Bewertung einer Oberfläche über die Schulter blickt, sitzt er im hunderte Kilometer entfernten Büro in Bremen. Dieses Szenario könnte bald Realität sein. Der Grund dafür nennt sich IRIES und beschreibt ein System, das Experten und Techniker im Bereich der Kleb- und Oberflächentechnik auf der gesamten Welt zusammen bringt.


Der Experte hält den Rücken frei – ohne vor Ort zu sein


IRIES basiert auf dem VIOS-System des Start-ups bitnamic. Ziel der Kooperation ist eine anwendungsorientierte Weiterentwicklung für Aufgaben in der Kleb- und Oberflächentechnik sowie eine Nutzung in der Qualitätssicherung. Die Technologie ist eine Smart-Service-Lösung, die dem Techniker verschiedene Anwendungen für mobiles Arbeiten auf dem Feld bietet. Die Plattform soll in Zukunft die Live-Zuschaltung eines Experten via Datenbrille ermöglichen. In die Anwendung übertragen bedeutet das: Bemerkt der Techniker einen Schadensfall oder besteht eine Fragestellung aus dem Bereich der Qualitätssicherung, kann er einen Experten per Datenbrille zuschalten. Durch die freihändige Übertragung des Videostroms kann sich der Techniker voll und ganz auf das zu bearbeitende Objekt konzentrieren. Dem Experten zeigt der Videostrom in der Regel lediglich das Blickfeld des ausführenden Technikers an. »Während Mimik in der klassischen Bürokommunikation oft wichtig ist, kann sie bei der Analyse eher vernachlässigt werden«, so Alexei Kolesnikow, Co-Gründer von bitnamic. Angewendet wird das System sowohl via Datenbrille als auch mit dem Mobiltelefon oder Tablet, das der Techniker bei sich trägt. IRIES kann dabei als Software as a Service-Lösung (SaaS), also als Add-on, das via Browser aufrufbar ist, eingesetzt werden. Das ermöglicht den Einsatz des Systems ohne Installationsvorlauf und macht IRIES zu einem einfachen Werkzeug, das schnell zur Hand ist.


Kooperationen mit Unternehmen sollen die Entwicklung vorantreiben


So können in Zukunft neben der Zuschaltung von Experten in einer ganzheitlichen Lösung auch die Messdaten direkt visualisiert und bei Bedarf die Messgeräte aus der Ferne vom Experten bedient werden. Zusätzlich soll es möglich sein, Arbeitsschritte und Prüfungen durch IRIES zu unterstützen und damit klebtechnische Prozesse abzusichern. Beispiel hierzu wäre die Unterstützung bei der Überprüfung des Haltbarkeitsdatums durch automatisierten Abruf der Chargennummer in der Datenbank. Neben der Weiterentwicklung müssen jedoch auch Fragestellungen jenseits der technischen Umsetzung geklärt werden – so etwa das Thema Datenschutz. Die Nutzung von Videokameras am Arbeitsplatz und der Umgang mit innovativen Technologien unter Geheimhaltung erfordert Regelungen, die man gemeinsam mit den jeweiligen Unternehmen treffen muss.

© Fraunhofer IFAM

Einsatz ohne Grenzen

© Fraunhofer IFAM

Übertragung via Datenbrille

© Fraunhofer IFAM

...oder Smartphone

Datenbrillen in der Qualitätssicherung

Welche Möglichkeiten bieten Datenbrillen für die Qualitätssicherung in der Klebtechnik?